Montag, 16. Januar 2023

Die Powder Destinations - 4. Niseko

Wie kommt man darauf nach Japan Skifahren zu gehen ?

Das höre ich auch heute immer wieder. Angefangen hat alles 2015. Nachdem ich bereits in Whistler und Gulmarg war, wurde und durch die imposanten Aufnahmen in diversen Skifilmen und Videos angefixt und es entstand die Idee, nach Japan zu reisen. Damals quasi noch ein Geheimtipp und Niseko der heilig Gral.


Aber wieso fällt in Hokkaido Pulverschnee?

Das Geheimnis des Hokkaido-Pulverschnees liegt darin, dass die kalten Luftmassen aus Sibirien sich in den Nordwestmonsun verwandeln, während sie viel Feuchtigkeit in sich aufnehmen, und dann über das japanischen Meer Hokkaido erreichen. Diese feuchten Luftmassen bilden dichte Schneewolken, weshalb sehr viel Schnee in dem westlichen Küstengebiet Hokkaidos fällt.

Die trockenen Luftmassen, die nach dem Schneefall übrig geblieben sind, ziehen in die Tiefländer der inländischen Gebiete wie Niseko, Furano, oder Tokachi ab. Wenn die Luftmassen am Berghang in den entsprechenden Gebiete entlang aufsteigen und dabei extrem abgekühlt werden, bilden sie wieder Schneewolken und es kommt zu Schneefall. Diese kalten und trockenen Luftmassen verwandeln sich in
den besonders pulvrig-leichten Tiefschnee, den alle Freerider in der ganzen Welt nur "Japow" nennen.

Niseko United ist das größte Skigebiet auf Hokkaido und besteht aus den vier zusammengeschlossenen Gebieten Annupuri, Niseko Village, Grand Hirafu und Hanazono. Diese reihen sich an den Flanken des Mt. Niseko-Annupuri aneinander.


Der Vulkankegel ist zwar nur 1308 Meter hoch, die Höhendifferenz zu den Orten beträgt allerdings beachtliche 1048 Meter. Hokkaidos Top-Skiresort ist berühmt für seinen "Japow". Zwischen Anfang Januar und Mitte Februar fällt in Niseko fast täglich Schnee. 
Aber auch für Pistenskifahrer ist Niseko eine Reise wert. Aber das Beste  verbirgt sich rechts und links der präparierten Abfahrten. Niseko mit seinem Nachbarskigebiet Rusutsu sind ein echtes Freerider-Paradies. Das liegt zum einen am ergiebigen Schneefall von rund 13 Metern pro Jahr, der die Schneedecke im Skigebiet zum Teil auf über vier Meter anwachsen lässt. Genauso wichtig sind aber die Topographie des Berges und sein Bewuchs. Die relativ sanft abfallenden Flanken des Vulkans sind fast bis ganz oben von lichten Espen- und Bambuswäldern überzogen. Die Lawinengefahr ist dadurch relativ gering. Die Sicht reicht selbst im dichtesten Schneetreiben, welches häufig herrscht und oft im wahrsten Sinne des Wortes wie aus heiterem Himmel kommt: gerade noch schien die Sonne am tiefblauen Horizont, da drücken die meist starken Winde schon wieder neue Wolken gegen den Mt. Annupuri. Dann verschwindet der 1.898 Meter hohe Mt. Yotei gegenüber, der auch von den Einheimischen der Fuji Hokkaidos genannt wird, in Minutenschnelle im Schneegestöber. 
Der Zugang ins unkontrollierte Hinterland erfolgt über 11 sog. Gates, die von der Bergwacht kontrolliert werden. Diese werden nur dann geöffnet, wenn die Lawinengefahr nicht zu groß ist. Wer durch geschlossene Gates fährt, dem wird der Skipass entzogen. Verstöße gegen Regeln werden in japanischen Skigebieten konsequent geahndet. Und Regeln gibt es zuhauf. Wer glaubt, dass Deutschland über reglementiert ist, der war noch nie im super-disziplinierten Japan. Vieles hier ist explizit verboten, noch mehr verpönt. Selbst in Damentoiletten warnen Schilder vor Fluchen in der Öffentlichkeit. Auch Naseputzen in Gesellschaft ist tabu, was angesichts von Durchschnittstemperaturen von minus zehn Grad im Januar auf Hokkaido zu Eiszapfen an den Nasen führen kann. Eisskulpturen im Gesicht sind in Ordnung, Schneereste an den Skistiefeln in der Gondel aber nicht. Die Niseko Gondola ist die längste Gondel und zusammen mit jener im Nachbarort Grand Hirafu der Dreh- und Angelpunkt des Skigebiets, in dessen Hütten es neben Sushi und Nudelsuppen auch Pasta und Hamburger gibt. Niseko United bietet einen erstaunlichen Mix.
Neben High-Tech-Liften rattern altertümliche Einer-Sessellifte, die nur aus einer gebogenen Stange und einem 30 mal 30 Zentimeter großen Holzbrett als Sitz bestehen - und ohne Sicherungsbügel auskommen. Eine Fahrt mit den ironischerweise auch noch "King" oder "Wonderland" genannten Uralt-Liften ist fast so aufregend wie Freeriden auf den gigantischen Off-Piste-Hängen rechts und links des Niseko-United-Skigebiets oder das Nachtskilaufen in Grand Hirafu. Nachtskifahren in Niseko ist etwas völlig anderes als in 99 Prozent der Alpen-Skigebiete. In Grand Hirafu sind nicht ein oder
zwei Pisten ausgeleuchtet, sondern der halbe Berg.In der Dunkelheit sind alle Sinne besonders wach. Das Kratzen der Skikanten auf dem knirschenden Schnee wird viel lauter wahrgenommen als tagsüber. Wechselt man dann von der Piste in das von hellen Birken durchsetzte Gelände, ist das überwältigend. Der aufstaubende Pulverschnee wird vom Flutlicht angestrahlt. Scharf setzt er sich vor dem tiefschwarzen Nachthimmel ab. 



Mittlerweile ist Japan kein Geheimtipp mehr. In der "Japow"-Hochsaison bevölkern immer mehr tiefschneesüchtige Europäer und Nordamerikaner Niseko, das ansonsten fest in australischer Hand ist.

Aber wenn wir Hokkaido besuchen, darf Niseko auf gar keine Fall fehlen.
Wir bevorzugen als Ausgangspunkt immer Annupuri. Ich freue mich schon, wenn wir  übernächste Woche wieder an den Ort zurückkehren, wo 2016 alles begann

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